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Adipositas

Wenn das Gewicht krank macht

ca. 5 Minuten

*Aus Gründen der Lesbarkeit verwenden wir die männliche Form, meinen jedoch Menschen aller Geschlechter.

Mädchen auf den Gebieten
Starkes Übergewicht, medizinisch als Adipositas bezeichnet, ist eine chronische Erkrankung, die sowohl den Körper als auch die psychische Gesundheit belastet. Neben körperlichen Beschwerden erleben viele Betroffene gesellschaftlichen Druck, Stigmatisierung oder Diskriminierung. Diese Erfahrungen können zu sozialem Rückzug, verminderter Bewegung und einem ungünstigen Essverhalten führen – Faktoren, die das Gewicht zusätzlich beeinflussen.

"Adipositas ist daher nicht allein Ausdruck mangelnder Disziplin, sondern Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels verschiedener Faktoren."

Medizinisch  wird Adipositas als komplexe Ernährungs- und Stoffwechselerkrankung  verstanden, die durch eine langfristig positive Energiebilanz entsteht:  Dem Körper wird mehr Energie zugeführt, als er verbraucht. Zur  Einordnung dient der Body-Mass-Index (BMI). Ab einem BMI von 30 kg/m²  spricht man von Adipositas Grad I, ab 35 kg/m² von Grad II und ab 40  kg/m² von Grad III (schwere Adipositas). Mit steigendem BMI erhöht sich  das Risiko für Folgeerkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes mellitus  Typ 2, Gelenkverschleiß (Arthrose), hormonelle Störungen oder chronische  Schmerzen.

Ursachen und Risikofaktoren

Die  Entstehung von Adipositas ist multifaktoriell. Neben  Ernährungsgewohnheiten und Bewegungsmangel spielen genetische  Veranlagung, hormonelle Einflüsse, psychosoziale Faktoren sowie  Umweltbedingungen eine Rolle. Auch Stress, Schlafmangel oder bestimmte  Medikamente können das Gewicht beeinflussen. Adipositas ist daher nicht  allein Ausdruck mangelnder Disziplin, sondern Ergebnis eines komplexen  Zusammenspiels verschiedener Faktoren.

Konservative Therapieansätze

Die  Behandlung von Adipositas basiert in der Regel auf einem sogenannten  multimodalen Konzept. Dieses kombiniert mehrere Bausteine:

  • Ernährungstherapie:  Ziel ist keine kurzfristige Diät, sondern eine langfristige,  alltagstaugliche Ernährungsumstellung. Individuelle Konzepte  berücksichtigen persönliche Vorlieben, Lebenssituation und mögliche  Vorerkrankungen.

  • Bewegungstherapie:  Körperliche Aktivität wird an die individuellen Möglichkeiten  angepasst. Bereits moderate Steigerungen der Bewegung können positive  Effekte auf Stoffwechsel, Herz-Kreislauf-System und Wohlbefinden haben.

  • Verhaltenstherapeutische  Unterstützung: Sie hilft dabei, Essmuster zu erkennen, emotionale  Auslöser zu verstehen und neue Strategien im Umgang mit Stress oder  Rückschlägen zu entwickeln.

Ergänzend  stehen – je nach medizinischer Indikation – medikamentöse Therapien zur Verfügung. Moderne Wirkstoffe, darunter sogenannte  GLP-1-Rezeptoragonisten, können das Sättigungsgefühl beeinflussen und  die Gewichtsreduktion unterstützen. Ihr Einsatz sollte jedoch stets  ärztlich begleitet und in ein Gesamtkonzept eingebettet sein.

Ein  strukturiertes konservatives Programm wird häufig bei einem BMI unter 50  kg/m² empfohlen. In bestimmten Fällen, etwa bei schwer einstellbarem  Diabetes mellitus Typ 2 und einem BMI über 40 kg/m², kann jedoch auch  frühzeitig eine weiterführende Therapie erwogen werden.

Operative Therapieoptionen

Wenn  konservative Maßnahmen langfristig nicht ausreichend wirksam sind, kann  eine bariatrische Operation in Betracht gezogen werden. Verfahren wie  Magenverkleinerungen oder Magenbypass-Operationen zielen darauf ab, die  Nahrungsaufnahme zu reduzieren oder die Nährstoffverwertung zu  verändern. Neben einer deutlichen Gewichtsabnahme zeigen Studien häufig  auch Verbesserungen von Begleiterkrankungen wie Diabetes oder  Bluthochdruck. Eine sorgfältige medizinische und psychologische  Vorbereitung sowie Nachsorge sind dabei entscheidend.

Individuelle Beratung und langfristige Begleitung

Da  Adipositas eine chronische Erkrankung ist, erfordert sie eine  langfristige und individuell abgestimmte Betreuung. Eine umfassende  Beratung durch spezialisierte Fachkräfte hilft dabei, geeignete  konservative oder operative Optionen abzuwägen und realistische  Therapieziele zu definieren. Wichtig ist zudem eine nachhaltige  Nachsorge, um den Therapieerfolg zu sichern und Rückfälle zu vermeiden.

Adipositas  ist behandelbar – entscheidend ist ein ganzheitlicher Ansatz, der  medizinische, psychologische und soziale Aspekte gleichermaßen  berücksichtigt.

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Foto: Asklepios Paulinen Klinik

Professor  Dr. Martin Hoffmann ist Spezialist für Adipositaschirurgie,  Refluxchirurgie, Darmchirurgie und Darmkrebs. Als Chefarzt der  Allgemein-, Viszeral- und Minimalinvasiven  Chirurgie der Asklepios  Paulinen Klinik Wiesbaden leitet er auch das  Adipositaszentrum, das als  Kompetenzzentrum für Adipositas- und  metabolische Chirurgie  zertifiziert ist.

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Weitere Informationen


Adipositas Zentrum Wiesbaden der Asklepios Klinik Wiesbaden
Beratung und interdisziplinäre Behandlungen, basierend auf fünf Säulen:  Medizin, Verhaltenstherapie, Ernährungsberatung, Bewegung und  Selbsthilfe. Plus: Kontakt zur Selbsthilfegruppe

Helios HSK Wiesbaden

weitere Informationen zu Adipositas und deren Behandlungsmöglichkeiten 

gesundheitsinformation.de

Ursachen, Folgen, Diagnostik und Behandlungsmöglichkeiten - ein Überblick 

Das Rehaportal
Adipositas-Reha: Ursachen verstehen und den Weg zur Gesundheit finden


Ein Artikel des Deutschlandfunks erklärt, wie die Diabetesmedikamente Ozempic und Wegovy mit dem Wirkstoff Semaglutid in den letzten Jahren als „Abnehmspritzen“ zum Thema geworden sind: Ursprünglich zur Behandlung von Typ‑2‑Diabetes entwickelt, unterdrückt der Wirkstoff den Appetit und kann Menschen mit Adipositas helfen, Gewicht zu verlieren. Hier klicken, um zum Artikel zu kommen.


Ein Artikel von Quarks hinterfragt, wie sinnvoll der Body‑Mass‑Index (BMI) wirklich ist: Er erklärt, dass der BMI zwar weit verbreitet ist, aber nur das Verhältnis von Gewicht zur Körpergröße abbildet und dabei wichtige Faktoren wie Fettverteilung, Muskelanteil oder Stoffwechselrisiken außer Acht lässt. Statt sich allein auf diese Zahl zu verlassen, lohnt es sich laut Quarks, weitere Messgrößen und individuelle Aspekte für die Einschätzung von Gewicht und Gesundheit zu betrachten – etwa Bauchumfang oder andere Parameter, die die tatsächlichen Risiken besser anzeigen. Hier klicken, um zum Artikel zu kommen.

Ein Wissenspodcast von Quarks hinterfragt, "Übergewicht - Was ist ok, was ungesund?"


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