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Adipositas
Wenn das Gewicht krank macht
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*Aus Gründen der Lesbarkeit verwenden wir die männliche Form, meinen jedoch Menschen aller Geschlechter.

Starkes Übergewicht, medizinisch als Adipositas bezeichnet, ist eine chronische Erkrankung, die sowohl den Körper als auch die psychische Gesundheit belastet. Neben körperlichen Beschwerden erleben viele Betroffene gesellschaftlichen Druck, Stigmatisierung oder Diskriminierung. Diese Erfahrungen können zu sozialem Rückzug, verminderter Bewegung und einem ungünstigen Essverhalten führen – Faktoren, die das Gewicht zusätzlich beeinflussen.
"Adipositas ist daher nicht allein Ausdruck mangelnder Disziplin, sondern Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels verschiedener Faktoren."
Medizinisch wird Adipositas als komplexe Ernährungs- und Stoffwechselerkrankung verstanden, die durch eine langfristig positive Energiebilanz entsteht: Dem Körper wird mehr Energie zugeführt, als er verbraucht. Zur Einordnung dient der Body-Mass-Index (BMI). Ab einem BMI von 30 kg/m² spricht man von Adipositas Grad I, ab 35 kg/m² von Grad II und ab 40 kg/m² von Grad III (schwere Adipositas). Mit steigendem BMI erhöht sich das Risiko für Folgeerkrankungen wie Bluthochdruck, Diabetes mellitus Typ 2, Gelenkverschleiß (Arthrose), hormonelle Störungen oder chronische Schmerzen.
Ursachen und Risikofaktoren
Die Entstehung von Adipositas ist multifaktoriell. Neben Ernährungsgewohnheiten und Bewegungsmangel spielen genetische Veranlagung, hormonelle Einflüsse, psychosoziale Faktoren sowie Umweltbedingungen eine Rolle. Auch Stress, Schlafmangel oder bestimmte Medikamente können das Gewicht beeinflussen. Adipositas ist daher nicht allein Ausdruck mangelnder Disziplin, sondern Ergebnis eines komplexen Zusammenspiels verschiedener Faktoren.
Konservative Therapieansätze
Die Behandlung von Adipositas basiert in der Regel auf einem sogenannten multimodalen Konzept. Dieses kombiniert mehrere Bausteine:
Ernährungstherapie: Ziel ist keine kurzfristige Diät, sondern eine langfristige, alltagstaugliche Ernährungsumstellung. Individuelle Konzepte berücksichtigen persönliche Vorlieben, Lebenssituation und mögliche Vorerkrankungen.
Bewegungstherapie: Körperliche Aktivität wird an die individuellen Möglichkeiten angepasst. Bereits moderate Steigerungen der Bewegung können positive Effekte auf Stoffwechsel, Herz-Kreislauf-System und Wohlbefinden haben.
Verhaltenstherapeutische Unterstützung: Sie hilft dabei, Essmuster zu erkennen, emotionale Auslöser zu verstehen und neue Strategien im Umgang mit Stress oder Rückschlägen zu entwickeln.
Ergänzend stehen – je nach medizinischer Indikation – medikamentöse Therapien zur Verfügung. Moderne Wirkstoffe, darunter sogenannte GLP-1-Rezeptoragonisten, können das Sättigungsgefühl beeinflussen und die Gewichtsreduktion unterstützen. Ihr Einsatz sollte jedoch stets ärztlich begleitet und in ein Gesamtkonzept eingebettet sein.
Ein strukturiertes konservatives Programm wird häufig bei einem BMI unter 50 kg/m² empfohlen. In bestimmten Fällen, etwa bei schwer einstellbarem Diabetes mellitus Typ 2 und einem BMI über 40 kg/m², kann jedoch auch frühzeitig eine weiterführende Therapie erwogen werden.
Operative Therapieoptionen
Wenn konservative Maßnahmen langfristig nicht ausreichend wirksam sind, kann eine bariatrische Operation in Betracht gezogen werden. Verfahren wie Magenverkleinerungen oder Magenbypass-Operationen zielen darauf ab, die Nahrungsaufnahme zu reduzieren oder die Nährstoffverwertung zu verändern. Neben einer deutlichen Gewichtsabnahme zeigen Studien häufig auch Verbesserungen von Begleiterkrankungen wie Diabetes oder Bluthochdruck. Eine sorgfältige medizinische und psychologische Vorbereitung sowie Nachsorge sind dabei entscheidend.
Individuelle Beratung und langfristige Begleitung
Da Adipositas eine chronische Erkrankung ist, erfordert sie eine langfristige und individuell abgestimmte Betreuung. Eine umfassende Beratung durch spezialisierte Fachkräfte hilft dabei, geeignete konservative oder operative Optionen abzuwägen und realistische Therapieziele zu definieren. Wichtig ist zudem eine nachhaltige Nachsorge, um den Therapieerfolg zu sichern und Rückfälle zu vermeiden.
Adipositas ist behandelbar – entscheidend ist ein ganzheitlicher Ansatz, der medizinische, psychologische und soziale Aspekte gleichermaßen berücksichtigt.
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Foto: Asklepios Paulinen Klinik
Professor Dr. Martin Hoffmann ist Spezialist für Adipositaschirurgie, Refluxchirurgie, Darmchirurgie und Darmkrebs. Als Chefarzt der Allgemein-, Viszeral- und Minimalinvasiven Chirurgie der Asklepios Paulinen Klinik Wiesbaden leitet er auch das Adipositaszentrum, das als Kompetenzzentrum für Adipositas- und metabolische Chirurgie zertifiziert ist.
Weitere Informationen
Adipositas Zentrum Wiesbaden der Asklepios Klinik Wiesbaden
Beratung und interdisziplinäre Behandlungen, basierend auf fünf Säulen: Medizin, Verhaltenstherapie, Ernährungsberatung, Bewegung und Selbsthilfe. Plus: Kontakt zur Selbsthilfegruppe
weitere Informationen zu Adipositas und deren Behandlungsmöglichkeiten
Ursachen, Folgen, Diagnostik und Behandlungsmöglichkeiten - ein Überblick
Das Rehaportal
Adipositas-Reha: Ursachen verstehen und den Weg zur Gesundheit finden
Ein Artikel des Deutschlandfunks erklärt, wie die Diabetesmedikamente Ozempic und Wegovy mit dem Wirkstoff Semaglutid in den letzten Jahren als „Abnehmspritzen“ zum Thema geworden sind: Ursprünglich zur Behandlung von Typ‑2‑Diabetes entwickelt, unterdrückt der Wirkstoff den Appetit und kann Menschen mit Adipositas helfen, Gewicht zu verlieren. Hier klicken, um zum Artikel zu kommen.
Ein Artikel von Quarks hinterfragt, wie sinnvoll der Body‑Mass‑Index (BMI) wirklich ist: Er erklärt, dass der BMI zwar weit verbreitet ist, aber nur das Verhältnis von Gewicht zur Körpergröße abbildet und dabei wichtige Faktoren wie Fettverteilung, Muskelanteil oder Stoffwechselrisiken außer Acht lässt. Statt sich allein auf diese Zahl zu verlassen, lohnt es sich laut Quarks, weitere Messgrößen und individuelle Aspekte für die Einschätzung von Gewicht und Gesundheit zu betrachten – etwa Bauchumfang oder andere Parameter, die die tatsächlichen Risiken besser anzeigen. Hier klicken, um zum Artikel zu kommen.
Ein Wissenspodcast von Quarks hinterfragt, "Übergewicht - Was ist ok, was ungesund?"